Die erste Etappe

Mein ursprünglicher Plan war am Sonntag, den 11. September aufzubrechen. Am Freitag bekam ich einen freundlichen Anruf von der Botschaft, mein Pass sei fertig. Mein Pass! Während all der Vorbereitungen in letzter Minute hatte ich meinen Pass vergessen. Nun, ich hatte wohl auch gerade erst so richtig verstanden, dass etwas großes bevorsteht. Und zur Vorfreude kam auch etwas Angst. Am Samstag, als ich fertig gepackt hatte, beschloss ich, meine Reise einen weiteren Tag zu verzögern, was ist schon ein Tag?

 

Montag Früh stand ich um acht vor der Botschaft, nur um festzustellen, da die erst um neun öffnet. Öffnet nach Englischer Manier und schließt nach österreichischer. Ich suchte mir Frühstück und als ich um neun zurück war, hatte sich ein Grüppchen von Damen, deren Pässe gestohlen worden waren, versammelt, die jetzt das Land nicht mehr verlassen durften. Bis alle Formulare ausgefüllt und Fingerabdrücke genommen waren, und ich an der Reihe war, war es zehn. Mit meinem neuen Pass in der Hand war ich zum Aufbruch bereit.

Ich hatte geplant meine Reise am Trafalgar Square zu beginnen, an dem ich dann nur vorbeifuhr. Mein Weg führte vorbei an praktisch allen bekannten Sehenswürdigkeiten Londons. Im Greenwich Park, genau da wo der London Marathon beginnt, machte ich meine erste Pause und zog mich um. Bevor ich meine neuen Fahrradschuhe zum ersten Mal auf der Straße benutzte, wollte ich noch ein bisschen das ein und ausklicken üben. Als ich mich sicher fühlte, und abfahren wollte, fiel ich zum ersten Mal, weil ich schlichtweg vergessen hatte, auszuklicken. Es sollten am gleichen Tag noch vier weitere Stürze folgen. Ich habe buchstäblich auf die harte Tour gelernt.

 

Es dauert ein wenig, bis man aus London draußen ist, mir wurde wieder einmal bewusst, wie groß diese Stadt ist. Kent ist wunderschön, grün mit kleinen Wäldern, und allerdings hügelig, Um etwa 17.00 Uhr erreichte ich Canterbury. Von den unzähligen Hügeln war ich schon einigermaßen erschöpft. Da eine Sturmwarnung bestand, vermutete ich, dass es wohl auch Probleme mit den Fähren über den Ärmelkanal geben würde. Somit legte ich den Rest des Weges bis Dover mit der Bahn zurück.

 

Um 23.00 Uhr war die Fähre fr 20.00 Uhr zum Einsteigen bereit. Ich hatte als Ankunftshafen Dunkirque statt Calais gewählt, das spart mir 30 km Weg. Die Ankunft war dann im Nirgendwo. Ich hatte schon erfahren, dass es noch ungefähr eine Stunde Fahrt vom Hafen bis zu Stadt sein würden, nicht unbedingt etwas worauf ich mich freute, um 2.00 Uhr in der Nacht. Es war warm, kein Verkehr, sternenklar und ich hatte guten Rückenwind. Schlussendlich genoss ich diese Fahrt sehr.

 

Es war nur etwa eine Stunde Fahrt bis zur Grenze und kurz danach führte der Weg entlang der Küste, meistens direkt am Strand. Ein kräftiger Westwind blies mich nur so über die Straße, und neben mir wehte der Sand. Links von mir der Strand und das Meer und von oben strahlender Sonnenschein. Die Küste in Belgien ist fast komplett verbaut, es fühlt sich fast an, als würde man sich durch eine ewig lange Stadt bewegen, komplett mit einer Straßenbahn, die den ganzen Küstenabschnitt entlang fahrt.

 

In Oostende bin ich nach rechts abgebogen Richtung Brügge. Hinter den Dünen beginnen die Felder und ziehen sich wohl über ganz Nordeuropa. Der Mais war mannshoch und streckenweise gab es außer dem Himmel wenig zu sehen. Brügge ist wunderschön, historische Häuser, Türme, Kirchen und Windmühlen, und alles durchzogen von einem Netz von Kanälen.


 

 


 

Es ging weiter durch Felder, immer auf guten Radwegen.

 


Antwerpen kostete mich ein paar weitere Stunden, um, wenn es schon nicht zu besichtigen, so wenigstens ein bißchen an der Oberfläche zu kratzen und ein paar Fotos zu machen.

Mein Eindruck von Belgien ist sehr gut, zumindest für den Teil von Flandern, durch den ich durchgeradelt bin. Es gibt hier wunderschöne Städte, ausgezeichnetes Essen, und Massen von Radfahrern.

 

Die Radwege wurden noch besser in den Niederlanden. Meine einzige Übernachtung war in Eindhoven, einer Stadt, die auf den ersten Blick weniger zum Besichtigen einlud. Zum ersten Mal nahm ich am Freitag die schöne statt der schnellen Route, und die führte durch interessante Sumpflandschaften.

Nach 120 km oder mehr an fünf aufeinanderfolgenden Tagen war ich etwas erschöpft und übernachtete in einem Ort gleich hinter der Deutschen Grenze. Am Samstagvormittag erreichte ich den Rhein in Krefeld, und querte ihn später von Rheinhausen nach Duisburg,wo ich meine erste Etappe als beendet betrachtete.